Hanföl in der Kosmetik

  
Es läßt sich essen, als Biosprit verbrennen, zu Schuhcreme, (Wachsmal)Farben, Möbelpolitur etc. verarbeiten 
 
 
 
 
Die Samen der Hanfpflanze (Cannabis Sativa) enthalten etwa 35% fettes Öl, welches sich durch Pressen leicht gewinnen läßt.  
  
Es zeichnet sich durch einen hohen und vor allem sehr ausgewogenen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren aus und enthält auch die in der Muttermilch vorkommende Gamma-Linolensäure. Damit gehört es zu den wertvollsten und gesündesten pflanzlichen Ölen. 

Hanfsamenöl war in der Vergangenheit vor allem als Rohstoff zur Herstellung von Ölfarben, Schmiermitteln sowie als Speiseöl und Brennstoff von Bedeutung. In der Kosmetik wurde es ursprünglich ausschließlich zur Erzeugung von grünlichen Schmierseifen verwendet. 

Im Rahmen einer umfassenden Versuchsreihe gelang es mir erstmals, Hanfsamenöl in moderne Kosmetikpräparate einzuarbeiten und deren Pflegeeigenschaften zu testen. Die Ergebnisse waren überraschend positiv, sodaß in weiterer Folge die erste umfangreiche Kosmetik-Serie unter Verwendung von Hanfsamenöl als Pflegezusatz entwickelt wurde, welche sich als sehr erfolgreich erwies. 

Überlegene Pflegewirkung 

Es zeigte sich, daß die Pflegewirkung von Hanfsamenöl auf der Haut und dem Haar jener von in der Kosmetik verwendeten Pflanzenölen, wie z.B. Avocado-, Mandel-oder Olivenöl, überlegen ist und zudem die Pflege - Eigenschaften anderer Kosmetik - Rohstoffe erhöhen kann. Dies konnte anhand einer Vergleichstestserie, bei der verschiedene natürliche Pflanzenöle in eine Hautcreme - Standardformulierung eingearbeitet wurden, nachgewiesen werden. Hanfsamenöl zeichnete sich hier vor allem durch seine hervorragenden Gleiteigenschaften aus. 

Die Erklärung dafür liegt in der Struktur der im Hanfsamenöl reichlich vorhandenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die im Molekül der ungesättigten Fettsäuren mehrfach vorhandenen Kohlenstoff - Doppelbindungen (C=C) bewirken sozusagen ein "Einrollen" der Kohlenwasserstoffketten, was zu einer starken Erhöhung der Gleitfähigkeit und einem Verschwinden der klebrigen Eigenschaften führt. Das bereits erwähnte, besonders ausgewogene Verhältnis der einzelnen Fettsäuren dürfte diesen Effekt zusätzlich begünstigen. 

Der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren generell bewirkt jedoch auch eine hohe Empfindlichkeit gegen Sauerstoff-, Licht- und Hitze-Einwirkung. Dies ist sowohl bei der Gewinnung (Kaltpressung!) als auch bei der Verarbeitung und Aufbewahrung des Hanfsamenöls zu beachten. Zur Erhöhung der Haltbarkeit versetzt man daher am besten mit natürlichen Antioxidantien (Vitamin E oder C). 

Rohstoff Hanföl 

Eine weitere interessante Verwertungsmöglichkeit des Hanfsamenöls in der Kosmetik stellt die Verwendung als Ausgangsprodukt zur Erzeugung von kosmetischen Rohstoffen dar, welche mit Hilfe bekannter chemischer  oder enzymatischer Verfahren gewonnen werden können. 

Durch einfache Verseifung mittels Laugen erhält man grüne Schmierseifen und Seifengrundstoffe, welche in der Vergangenheit in größerem Ausmaß erzeugt und verwendet wurden und gute Reinigungswirkung besitzen. Ein großtechnisch wichtiges Verfahren ist die Ethoxylierung, bei der verschiedene Ausgangssubstanzen mit Ethylenoxid reagieren; die so erhaltenen Emulgatoren, Lösungsvermittler (Stoffe, die eine Lösung von z.B. Öl in Wasser ermöglichen) und Pflegestoffe für Cremen und Emulsionen sind funktional hochwertig, das Verfahren ist aber aufgrund der Verwendung des hochgiftigen Gases Ethylenoxid aus ökologischer Sicht umstritten. 

Die Amidisierung der Fettsäuren (Reaktion mit Ammoniak bzw. Ammoniak-Salzen) ergibt wichtige waschaktive Emulgatoren, Pflegestoffe und Verdickungsmittel. 

Hanfsamenöl zeichnet sich besonders durch seine hervorragenden Gleiteigenschaftn aus.

Als Veresterung wird allgemein die Verbindung von Alkohol und Säure bezeichnet - die Veresterung der Fettsäuren erbringt Pflegestoffe mit speziellen Eigenschaften. Der mengenmäßig bedeutendste Schritt schließlich besteht in der Sulfatierung der Fettalkohole (auch nach vorhergehender Ethoxylierung): Die aus den Fettsäuren gewonnenen Fettalkohole reagieren mit Schwefelsäure zu verschiedenen Tensiden (Waschrohstoffen), wichtigen Rohstoffen zur Herstellung von Shampoos, Schaumbädern, Reinigungsmitteln usw. Bislang dienen vor allem Palm- und Kokosöl als Rohstoffe für die rund 5 Millionen Tonnen Tenside, die jährlich auf pflanzlicher Basis erzeugt werden; Substanzen also, die auf langen und damit ökologisch negativen Transportwegen zu uns gelangen. 

Ökologischer Kompromiß 

Die vorgenannten Produkte zeichnen sich allgemein durch leichte biologische Abbaubarkeit und gute Pflegeeigenschaften aus, ihre Entstehung ist allerdings aus ökologischer Sicht ein Kompromiß. Am fortschrittlichsten aus diesem Blickwinkel erscheinen die Zuckertenside, bei denen, sehr vereinfacht gesagt, aus Fettsäuren und Zucker die waschaktiven Substanzen entstehen. Zuckertenside sind allerdings sehr kälteempfindlich und nur in Kombination mit herkömmlichen Tensiden verwendbar, da sonst die Qualität des Produktes leidet. 

Durch weitere chemische oder enzymatische Umwandlungsprozesse kann aus dem Öl eine Vielzahl neuer Rohstoffe gewonnen werden, mit denen es auch möglich ist, Kosmetik - Präparate ausschließlich auf Basis von Hanfrohstoffen" zu erzeugen. Es ist anzunehmen, daß mit der in Zukunft zu erwartenden leichteren und billigeren Verfügbarkeit des Hanfsamenöls der Einsatz dieser Stoffe im Kosmetikbereich größere Bedeutung erlangen wird. 

Die Verwendung von Hanfsamenöl als nachwachsender Rohstoff und daraus gewonnene Materialien zur Erzeugung von Kosmetikprodukten stellen damit sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Sicht eine interessante Alternative zu den derzeit verwendeten Materialien dar. 

Hanf-Verbot in der Kosmetik?  

Im Zuge der westlichen Drogengesetzgebung wurde Hanf in verschiedenen Bereichen von Industrie und Wirtschaft als nicht verkehrsfähige Droge eingestuft. So auch in der österreichischen Kosmetik-Gesetzgebung, wo Hanf, indischer" (botanisch unkorrekt) als Cannabis sativa L. und Zubereitungen", also auch THC-freie Bestandteile wie z.B. das Samenöl, unter die zur Erzeugung von kosmetischen Mitteln verbotenen Stoffe eingereiht wurdet. Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage diese Einstufung basiert, bleibt mehr als fragwürdig. 

Jedenfalls soll aufgrund einer Initiative von mir im BMfür Gesundheit im Zuge einer bevorstehenden Gesetzesnovellierung zumindest Hanfsamenöl von diesem Verbot ausgenommen werden und damit die Verwendung dieses wichtigen, natürlichen Rohstoffes auch in Österreich definitiv erlaubt sein.  

von Peter Rausch


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